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Neue Serie – Teil 1:
Über 100.000 Imazighen verehren eine Bergedorferin!

 
Hallo liebe Leser,
sie ist jung, sie ist intelligent, sie hat das Herz auf dem rechten Fleck und sie wird von vielen Menschen bewundert. Die Rede ist von der gebürtigen Bergedorferin, Kunst- und Deutschlehrerin, Kulturanthropologin und Chefredakteurin Uli Rohde. Einmal vor Jahren mit dem „Berber-Virus infiziert“, wird die Aktivistin heute von weit über 100.000 Imazighen für ihr politisches Engagement verehrt.

Die neue Serie um Uli Rohde enthält im ersten Teil Informationen über die Geschichte der Berberstämme. In weiteren Teilen gewährt mir und uns die Bergedorferin einen Einblick in ihr ungewöhnliches Leben, über das politische Engagement, über kabylische Traditionen und ihre musikalischen Auftritte, die ganze Hallen in Paris füllen.

Mehr dazu hier, denn wir haben uns auf einen langen Kaffee getroffen …

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Berberstämme – die Ursprungs-Bevölkerung Algeriens.

Berber sind eine Ethnie der nordafrikanischen Länder Marokko, Algerien, Tunesien, Libyen und Mauretanien. Außerdem lebten Berber im östlichen Mali, nördlichen Niger und in der ägyptischen Oase Siwa. Heutzutage sind sie vorwiegend in Marokko, Algerien und Frankreich anzutreffen. Der Reichtum der Länder und die strategische Lage haben vor Urzeiten dazu geführt, dass die nordafrikanische Region häufig Ziel von Eroberern wurde, was natürlich nicht ohne Folgen für die dortigen Völker blieb.

Daher sind die heutigen Berber stark von der Kultur der früheren Invasoren (Araber, Osmanen, Franzosen und Spanier) geprägt. Durch das Eindringen wurden die Stämme in vielen Teilen arabisiert und die uralten Kulturen der Berber, die sich selbst Imazighen (Mehrzahl) oder auch Amazigh (Einzahl = freier Mensch) nennen, zurückgedrängt.

Genau betrachtet wurden nicht sie selbst, sondern vorrangig ihre Sprache zum Erliegen gebracht. Das berberische Tamazight, die ursprüngliche Sprache, mit seinen vielen Varianten, geriet in den Hintergrund und so reden in der heutigen Zeit viele Berber (auch Masiren genannt) nur noch Arabisch.

Die Berbergruppen, die am wenigsten fremder Herrschaft ausgesetzt und dadurch ihre Sprache und Tradition am besten bewahrt haben, sind die Kabylen in der Kabylei in Nordalgerien sowie die Schlöh und Rifkabylen in Marokko.
 
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Foto: Uli Rohde hier mit einem Tuareg. Die junge Frau aus Bergedorf ist in ihre Wahlheimat Paris gezogen, um dort die Berbergruppe, die Kabylen, zu unterstützen.
 

Von Berbersprachen und Dialekten der Masiren.

Offiziellen Zählungen nach, gibt es etwa 36 Millionen Berber, die verschiedene Berbersprachen sprechen. Inoffizielle Zahlen liegen viel höher. Jenes ist politisch gewollt, um den Masiren ihre sprachliche und kulturelle Daseinsberechtigung streitig zu machen. Andere Berber haben ihre Muttersprache im Lauf der Jahrhunderte verloren und sprechen heute Arabisch.

Tamazight bezeichnet die Berbersprache allgemein und fungiert als Standarddialekt. Ihr Alphabet wird Tifinagh genannt und ist eines der ältesten Schriften der Welt. Die Berber, wie bereits eingangs erwähnt, nennen sich Amazigh. Viele Masiren bevorzugen aber eine lateinische Schreibweise mit ein paar Sonderzeichen, die von Mouloud Mammeri entwickelt wurde. In Marokko, insbesondere in der Rif-Küstenregion, gibt es eine weitere Berbersprache mit dem Namen Tarifit. Andere Berbersprachen sind das Schlöh, Chawi, Tamaschek und Chenoua, um nur einige von ihnen hier zu nennen.

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Foto: Uli Rohde. Die Bergedorferin im typischen kabylischen Gewand. Die farbenfrohe Kleidung ist bezeichnend für kabylische Frauen.
 

Das berberische Selbstbewusstsein und ethnisch-kulturelle Forderungen!

Bereits von 685 bis 701 führte die Berberkönigin Dihya (Königin Kahina) den Widerstand der Berber gegen die muslimisch-arabischen Invasoren an. Sie herrschte über die Stämme und führte die Berber in einem Kampf sogar zum Sieg. Mit der Tötung Dihyas starb auch der gemeinsame Widerstand der Berberstämme gegen die Araber, der aber immer wieder entfacht wird. Ihre Kultur, Tradition, Identität und Sprache haben sie nie aufgegeben. Und auch die Bewunderung für die mutige Königin hält bis heute an.

Ein weiterer Held und Märtyrer war der Sänger, Dichter, Denker, Mandole-Spieler und Symbolfigur der Kabylei: Lounès Matoub. Er wurde von der muslimischen Bevölkerung in Algerien von einigen wegen seiner politischen und säkularen Ansichten sowie seiner Lieder übelst beschimpft und ihm wurde nach dem Leben getrachtet. 1994 wurde er entführt, woraufhin es zu einer Massendemo in der Kabylei kam und die Täter ihn wieder freiließen. Mit 42 Jahren wurde er 1998 unter ungeklärten Umständen ermordet, sein Auto von Kugeln durchsiebt. Fast 1 Million Menschen nahmen an seiner Beisetzung teil. Heute wird er fast verehrt wie ein Heiliger.

Die arabischen Zirkel sorgten weiterhin bei ihren Nachkommen von Generation zu Generation für Hass gegen alle Masiren. Die sog. Arabisierung zielte darauf ab, dass der Gebrauch jeglicher Sprache oder Dialekt der Berber in der Schule, im Radio und im Fernsehen verboten wurde. In den vergangenen Jahrzehnten aber schlugen Vertreter von Berberorganisationen zunehmend kämpferische Töne an und das Berbermanifest vom 1. März 2000 gilt seither als entscheidende Etappe im Kampf um ein neues berberisches Selbstbewusstsein in Marokko. Aber auch in Algerien, Mali und Libyen hat sich seither viel bewegt.

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Foto: Uli Rohde. Die Kabylen verehren die junge Bergedorferin sehr.
 

Bergedorferin unterstützt die Amazigh-Kultur in Paris!

Uli Rohde, Tochter des Musikers Duddi Rohde (vielen Bergedorfern bekannt von The Feels und den Forum-Stompers), verfügt über ein großes Netzwerk mit weit über 50.000 Followern bei Facebook. Hätte sie eine offizielle Homepage, dann wären die Zahlen wohl noch weitaus höher.

Denn Uli Rohde wird unter den Kabylen sehr verehrt. Sie ist eine Art neuzeitlicher Ikone, die überall in Paris beim Einkaufen, auf der Straße, in Bars oder Restaurants erkannt wird. Verwerfliche Situationen kann sie sich nicht leisten, denn das würde schnell die Runde machen.

Die gebürtige Bergedorferin, Kunst- und Deutschlehrerin, Kulturanthropologin und Chefredakteurin hat Deutschland den Rücken gekehrt, um ihr politisches Engagement in Paris auszuleben. Dort, wo sie ganz nah an der Berberkultur ist und die Menschen wieder für die eigene Kultur begeistern sowie ein ganzes Volk coachen kann. Denn in Paris gibt es rund 1 Million legale Kabylen (eigentliche Zahl noch viel höher durch Illegale), ca. 4.000 kabylische Restaurants, Bars und Hotels sowie ca. 160 Berbervereine.

Ganz kommt sie mit dem Rummel um ihre Person noch nicht klar, da sie von Haus aus keine Diva ist. Vielmehr sieht sie sich selbst als Aktivistin, die ihre Musik und ihre künstlerischen Fähigkeiten nutzt, um auf die verlorene Kultur und Sprache der Kabylen aufmerksam zu machen. Häufig wird sie mit Lügen diskreditiert, um das in sie gesetzte Vertrauen in der Öffentlichkeit gezielt zu untergraben.

Aber Uli hat ihre Mission gefunden und alle in ihrem Leben angeeigneten Fähigkeiten ergeben jetzt einen Sinn: ihre Art, Menschen zu begeistern, ihre Nähkünste, ihre musikalischen sprachlichen und künstlerischen Fähigkeiten und ihre berufliche Laufbahn. Alles hat sich zu einem Ganzen zusammengefügt.
 
# Zur Facebook-Seite von Uli Rohde (klick)
# Weitere Serie im Blog: Bergedorfer DJ-Szene (klick)

 

Weil mich die Geschichte um die freien Menschen Nordafrikas, die Masiren bzw. Berber, so derart begeistert hat, konnte ich gar nicht anders und habe in diesem Teil der Serie für euch zum besseren Verständnis weit ausgeholt.

In Teil 2 der Serie erfahrt ihr so einiges über das politische Engagement der Aktivistin Uli Rohde, die traditionelle Mode der Kabylen u.v.m. Versprochen!
 
Eure HEIDI VOM LANDE
 

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